Die LGBTQ-Lobby und was wir von den Märtyrern Ugandas lernen können

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Interview  mit der nigerianischen Lebensrechtlerin Obianuju Ekeocha

von Stephen Herreid

Original erschien am  9. Juni 2017 bei www.catholicvote.org

CV: Letzte Woche, als im Westen der „Pride Month“ begann, gedachten die Katholiken Ugandas des Mutes der ugandischen Märtyrer – 22 heroischer Christen, die sexueller Abartigkeit widerstanden und dafür den Höchstpreis zahlten. Können Sie uns ein wenig über ihre Geschichte erzählen?

 

Ekeocha: Die wahre Geschichte der Märtyrer ist weltweit nicht sehr bekannt, obwohl sie eine beeindruckende Geschichte von Bekehrung und Mut ganz am Anfang der christlichen Missionen in Uganda ist.

Am Ende des 19. Jahrhunderts konvertierten einige junge Palastdiener zum Christentum.

Diese Diener waren meist Kinder und junge Erwachsene. Ihr Anführer, Charles Lwanga, war nur etwa 26 Jahre alt.

Mit der Zeit lernten sie mehr vom Evangelium und wuchsen so sehr im Glauben, daß dieser nun jeden Aspekt ihres Lebens bestimmte.

König Mwanga II spürte diese einschneidende Veränderung, denn als König war er es gewohnt, alle seine Wünsche und Begierden durch seine Diener erfüllt zu sehen. Leider schloß dies auch homosexuelle Praktiken mit ein.

Doch durch ihre Bekehrung hatten die Diener den Mut, die homosexuellen Avancen des Königs zurückzuweisen. Das erzürnte den König, der nach der Tradition die Macht über Leben und Tod aller seiner Untergebenen hatte. Er befahl die Hinrichtung der Konvertiten, welche zu ihrer Entscheidung standen, Gott mehr zu fürchten als die Menschen.

Die Hinrichtungen zogen sich über mehrere Tage hin, aber die abschließende Massenexekution wurde am 3. Juni am Stadtrand von Kampala an einem Ort, der Namugongo genannt wird, durchgeführt.

Erst vor kurzem ist mir aufgegangen, daß diese jungen Männer und Jugendlichen, die vor allem wegen ihrer Weigerung, sich auf homosexuelle Praktiken einzulassen, starben, am Beginn des Monats Juni getötet wurden.

Wenig mehr als 100 Jahre nach ihrem Martyrium ist derselbe Monat in den westlichen Ländern zum „LGBTQ pride month“ geworden, während dessen der homosexuelle Lebensstil gefeiert und hervorgehoben wird. In diesem Monat sind auch viele LGBTQ-bezogene „Siege“ erreicht worden, wie z.B. der Obergefell vs. Hodges Fall, in dem der Oberste Gerichtshof die Ehe in Amerika neu definierte.

Ich war in Namugongo, um dort zu beten und mehr über diese Märtyrer zu erfahren, doch ich war nicht darauf vorbereitet, die lebensgroßen Figuren zu sehen, welche vor Augen stellen, welch grausamen Tod diese jungen Christen für ihre Liebe zu Gott erlitten.

Sie wurden gefoltert, geprügelt und dann verbrannt. Mehr als 40 wurden für ihren Glauben getötet, und der König tat das, um den christlichen Glauben und Mut in Namugongo zu vernichten.

Statt dessen aber wurde das Blut der Märtyrer Aussaat für die Kirche, nicht nur in Uganda, sondern auch in den Nachbarländern.

Heute ist eine übergroße Mehrheit der Bevölkerung Ugandas christlich, ca. 45 % ist katholisch, und der 3. Juni – das Datum der grausamen Massenhinrichtung – wurde von der ugandischen Regierung zum nationalen Feiertag erklärt. Mehr als eine Millionen Menschen kommen so zur Wallfahrt zum Heiligtum der Märtyrer in Namugongo.

All das ist wirklich sehr erstaunlich, und es begann mit der Bekehrung zum Evangelium Jesu Christi.

Unter der Obama-Administration erlitt die amerikanische Kirche viele kulturelle Niederlagen. Christen, die wie die Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky der LGBTQ-Bewegung Widerstand leisteten, pflegten gedemütigt und beruflich sabotiert zu werden, was von manchen ein „weißes Martyrium“ genannt worden ist. Sind die Märtyrer von Uganda in diesen Kämpfen für uns bedeutsam?

 

Natürlich sind die Märtyrer von Uganda mächtige Fürsprecher, die während ihres irdischen Lebens unmittelbar die Unterdrückung durch einen totalitären obersten Herrscher erlebten.

Auf dem Weg zum Tod  wurden sie wie Sklaven gefesselt und marschierten tagelang viele Meilen bis zu der Stelle, die für ihre Hinrichtung vorbereitet war. Während dieser ganzen Tortur sahen sie nicht nur dem sicheren Tod entgegen, sondern waren auch ein Schauspiel für die Bewohner der Dörfer, durch die sie geführt wurden.

Der König stellte sicher, daß sie von möglichst vielen gesehen und gedemütigt würden. Damit sollte ein Exempel für alle statuiert werden, die sich mit dem Gedanken einer Konversion zum Christentum trugen oder auch nur darüber nachdachten, ihren Glauben bis hin zu Tapferkeit und Mut ernst zu nehmen.

Ist es nicht das, was wir heute in der ganzen westlichen Welt beobachten können? Besonders wenn irgend jemand es wagt, die Stimme gegen die unzulässige Neudefinition der grundlegendsten Aspekte von Kultur und Zivilisation zu erheben.

Das einzige, was diese Titanen und Könige der westlichen Länder  tolerieren, ist unser Schweigen und unsere volle Zustimmung.

Jeder Konditor, der sich weigert, eine Torte für eine Homo-Hochzeit zu backen, jede Floristin, die ihre Dienste zur Feier eines Empfanges anläßlich einer Zivilpartnerschaft verweigert, jeder T-Shirt-Macher, der sich weigert, Botschaften zu drucken, die er ablehnt, wird nicht nur sozial gefoltert, niedergeknüppelt und verbrannt; sie werden von den Medien und den allmächtigen LGBTQ-Gruppen parademäßig durch den Schmutz gezogen, um sicherzustellen, daß die Botschaft von jedem verstanden wird, der in Zukunft  erwägt, Widerspruch zu erheben. Wir haben erlebt, wie Familien zerstört, Geschäfte geschlossen wurden und wie sogar von Gerichten enorme Bußgelder für Dissidenten verhängt wurden.

Ich schaue auf diese Männer und Frauen, die für ihren Glauben verurteilt werden, und denke sofort an die heiligen Charles Lwanga, Anatoli Kiriggwajjo, Andrew Kagwa, Joseph Mukasa, Ambrosius Kibuuka und die anderen mutigen ugandischen Märtyrer, die das rote Martyrium auf sich nahmen, weil sie Gottes Willen den Vorzug geben wollten.

Die Situation mag vielen von uns düster erscheinen, wenn wir die wohlhabende Koalition betrachten, die uns aktiv entgegensteht, aber diese Männer sind bei Gott und können Fürsprache für uns einlegen, wenn wir sie um Hilfe bitten.

Viele Katholiken fühlen sich durch einige Leute aus der katholischen Führungsetage im Westen demoralisiert. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan brach kürzlich mit der Tradition und führte eine St. Patrick’s Day Parade mit einer „gay pride“-Abteilung an. Kürzlich gründete eine katholische Pfarrei in New York eine Homosexuellenvereinigung, die zur Spendenbeschaffung mit der „Born This Way Foundation“  zusammenarbeiten wird. Und natürlich hat auch der berühmte Jesuit James Martin[i] den „LGBTQ Pride Month“ mit offenen Armen begrüßt.

Kurz: während viele Katholiken um ihre Pflicht ringen, den Glauben zu bekennen, sind einige ihre Führer bereit, sich zurückzuziehen – oder eben die LGBTG-Bewegung generell mit offenen Armen zu begrüßen. Wie, denken Sie, sollten wir auf solches Versagen von führenden Kirchenvertretern reagieren? Was, denken Sie, hätten die ugandischen Märtyrer getan?

 

Wir müssen tun, was die Märtyrer von Uganda getan haben: friedlich Widerstand leisten und es ablehnen, der Welt gegen das Wort Gottes gefallen zu wollen.

Durch die jüngsten Ereignisse wissen wir, daß unser Widerstand und unser Dissens uns teuer zu stehen kommen werden. Selbst wenn nicht unser Leben, können sie uns doch unseren Lebensunterhalt kosten.

Aber erinnern wir uns daran, daß wir einen Glaubensweg gehen, der geebnet ist mit dem Blut und den Gebeinen von Tausenden von Märtyrern, die in den letzten 2000 Jahren gestorben sind. Sie starben nicht, weil sie sich nach dem Tod sehnten oder weil sie nichts hatten, wofür sie leben konnten, sondern weil sie gewillt waren, Jesus nachzufolgen, der uns alle aufgefordert hat, unser tägliches Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Manchmal wünschte ich, dieses tägliche Kreuz wäre auf einige schmerzlose Opfer beschränkt, eine Mahlzeit weniger, kleine Abtötungen, Gesundheitsprobleme, tägliche Mühen, aber wir leben in einer Ära, wo ein Kreuz so schwer und erdrückend sein kann wie eine gerichtliche Anklage durch eine LGBTQ-Organisation oder eine beschämende Suspendierung vom Arbeitsplatz wegen eines Kommentars, den wir in den sozialen Medien gegen die Neudefinierung der Ehe gemacht haben, oder wie die Situation von Eltern, die ihr „gender-dysphorisches“ Kind verlieren, weil sie sich einer Geschlechtsumwandlung widersetzen.

Wir müssen all diese schmerzlichen Kreuze den ganzen Weg bis zu unserem Namugongo tragen (das gut auch in New York, Toronto oder London sein kann), wissend, daß wir durch unseren christlichen Mut und unser weißes Martyrium, unsere Tränen, unseren Schweiß und unser Blut eines Tages zum Samen für die Kirche werden.

Wir erleben womöglich nicht mehr, daß dies eintritt, aber ich habe dort gestanden, gebetet und geweint, wo Charles Lwanga zu Asche verbrannt wurde, und ich weiß, daß Gott Seine Kirche aus der Asche Seiner Märtyrer bauen kann (und wird). Und um Märtyrer zu sein, müssen wir unser Leben für das Evangelium hingeben.

Obianuju Ekeocha ist eine nigerianische Lebensrechtlerin, die in London lebt, und die Gründerin der pro-life Organisation Culture of Life Africa. Sie schreibt zur Zeit an einem Buch über westlichen Kulturimperialismus im 21. Jahrhundert und darüber, wie ein neuer Kolonialismus afrikanischen Ländern gegen den Willen ihrer Bevölkerungen progressive westliche Ideen aufdrängt, wobei staatliche und private Stiftungen genutzt und irreführend als caritative Spender und Sachwalter der Armen dargestellt werden.[ii]

[i] Anmerkung des Übersetzers: Fr. James Martin SJ wurde vor einigen Monaten zum Konsultor des Vatikanischen Sekretariats für die Kommunikation ernannt.

[ii] Anmerkung des Übersetzers: Außerdem arbeitet sie an einem Dokumentarfilm über den Kampf um die Abtreibung in Afrika. Vgl.: https://www.gofundme.com/documentary-on-lifeissues-in-africa

Übersetzung: Chr. Sperling