Hinweise für den Weg aus den Trümmern einer Zivilisation ohne Gott

Der zum äußersten geführte Versuch, die menschlichen Dinge unter vollständigem Verzicht auf Gott zu formen, führt uns immer näher an den Rand des Abgrunds, zur gänzlichen Zurückstellung des Menschen. Wir müssten also das Axiom der Aufklärer auf den Kopf stellen und sagen: Auch derjenige, dem es nicht gelingt, den Weg der Annahme Gottes zu finden, sollte dennoch versuchen, so zu leben und sein Leben so auszurichten veluti si Deus daretur , als ob es Gott gäbe.

Das ist der Ratschlag, den bereits Pascal seinen nicht glaubenden Freunden erteilt hat; das ist der Ratschlag, den auch wir heute unseren Freunden, die nicht glauben, erteilen wollen. So wird niemand in seiner Freiheit beschränkt, doch alle Dinge erhalten eine Stütze und einen Maßstab, dessen sie so dringend bedürfen. Was wir in diesem Moment der Geschichte vor allem brauchen, sind Menschen, die Gott durch einen erleuchteten und gelebten Glauben in dieser Welt glaubhaft machen. Das negative Zeugnis von Christen, die zwar von Gott gesprochen, aber gegen ihn gelebt haben, hat das Bild Gottes verdunkelt und dem Unglauben die Tore geöffnet. Wir brauchen Menschen, die den Blick geradewegs auf Gott richten und von dort die wahre Menschheit begreifen. Wir brauchen Menschen, deren Verstand vom Licht Gottes erleuchtet und deren Herz von Gott geöffnet wird, so dass ihr Verstand zum Verstand der anderen sprechen und ihr Herz die Herzen der anderen öffnen kann. Nur durch Menschen, die von Gott berührt sind, kann Gott zu den Menschen zurückkehren.

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Wir brauchen Menschen wie Benedikt von Nursia, der sich in einer Zeit der Ausschweifungen und des Verfalls in die tiefste Einsamkeit zurückgezogen hat und dem es gelungen ist, nach den Läuterungen, die er erfahren musste, zum Licht zurückzukehren und in Montecassino eine Stadt auf dem Berg zu gründen, in der die Kräfte gesammelt wurden, aus denen sich eine neue Welt bildete. So ist Benedikt, wie Abraham, der Vater vieler Völker geworden. Die Empfehlungen, die er seinen Ordensbrüdern am Ende seiner Regel erteilt, sind Hinweise, die auch uns den Weg zeigen, der nach oben führt, hinaus aus der Krise und aus den Trümmern. „Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt. Diesen Eifer sollen also die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen, das bedeutet: Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen… in Liebe sollen sie Gott fürchten… Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen. Er führe uns gemeinsam zum ewigen Leben.“ (Kapitel 72)“

Lesen Sie die ganze Ansprache, die Card. Ratzinger 2005 in Subiaco hielt: hier entlang!

Kommentar einer Leserin unserer Website:

„Das ist so ein guter Text! Er hätte es auch heute geschrieben haben können. Es ist eine Freude, sowas lesen zu können.

Die Wahrheit ist nicht unverständlich, mehrdeutig, kompliziert und verschwommen. Sie leuchtet ganz hell und klar. Es gibt nur eine Wahrheit und uns ist gesagt, wo wir sie finden können, wenn wir nach ihr suchen und WER sie IST.“ (1.11.16)