Predigt zum Gründonnerstag

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13.04.2017

Liebe Brüder und Schwestern, erinnern Sie sich noch an Gründonnerstag vor einem Jahr? Damals sprach ich von Fr. Tom, der im Jemen nach dem Mord an vier Missionarinnen der Nächstenliebe entführt worden war. Er hatte lieber das Allerheiligste in Sicherheit gebracht, als selber zu fliehen. Leider ist er immer noch nicht frei. Ein vor Monaten veröffentlichtes Video zeigt, daß es ihm sehr schlecht geht. Vergessen wir in diesen heiligen Tagen nicht all unsere so zahlreichen Brüder und Schwestern, die für ihren Glauben leiden müssen.

Fr. Tom hat deshalb die konsekrierten Hostien aus dem Tabernakel zu sich genommen, weil er wie wir auch an die Realpräsenz des Herrn in der Hlgst. Eucharistie glaubt. Nur der geweihte Priester hat die Vollmacht, Brot und Wein in Leib und Blut des Herrn zu verwandeln. Die protestantischen Gemeinschaften kennen dieses Weihepriestertum nicht. Die Orthodoxen jedoch wie auch u.a. die koptischen Christen haben wie wir die apostolische Sukzession. Ihre Bischöfe und damit auch die Priester stehen in der Nachfolge der Apostel und feiern gültig die hl. Eucharistie. Mit den Kopten sind wir in diesen Tagen der Christenverfolgung auch besonders verbunden.

Wenn der Priester Brot und Wein konsekriert und wenn dann er und andere Gläubige in der hl. Kommunion Leib und Blut des Herrn empfangen, dann geschieht mehr als nur ein Mahl. Die Messe ist ein Opfermahl. Die meisten Katholiken kennen den Glauben an die Wandlung. Aber sehr viele wissen nicht mehr, daß die Messe immer ein Opfer ist. Sehr viele wissen darum nicht, was die hl. Messe ihrem Wesen nach ist. Ihnen fehlt der innere Zugang. Und dann bleiben sie fern, was nur zu verständlich ist. Deshalb müssen wir davon sprechen. Und wann, wenn nicht heute, am Gründonnerstag?

Jesus hat im Abendmahlssaal gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“. Was sollen die Apostel und ihre Nachfolger tun? Sie sollen seine Hingabe vollziehen, sein Opfer gegenwärtig setzen.

In den letzten Wochen haben sehr viele Menschen hier die Ausstellung über das Turiner Grabtuch besucht. Ca. 2100 waren es schon! Und sicher kommen in den nächsten vier Tagen auch noch viele andere dazu. Sie sehen dieses einzigartige Tuch und werden konfrontiert mit dem Leiden und dem Tod Jesu vor 2000 Jahren und auch mit der Frage nach seiner Auferstehung. Es ist ein historisches Geschehen, das die Menschen tief beeindruckt. Aber als etwas Vergangenes!

Hier in der Kirche begegnet uns mehr als nur Vergangenes. Wenn doch nur wir Katholiken begreifen würden, was uns da geschenkt ist! Wenn die Leute wüßten, was die Hl. Messe ist, würden sie nicht nur diese Ausstellung besuchen, sie würden sich taufen lassen und in Scharen in die Messe kommen.

In der frühschristlichen Zeit schon legte man auf den Altar das sogenannte Corporale, das wir auch heute noch als quadratisches, in besonderer Weise  gefaltetes Tuch kennen, auf dem die gewandelten Gestalten, Leib und Blut des Herrn, ihren Platz finden.

Das Corporale war früher größer als heute. Und wir können es auch mit den heutigen Altartüchern vergleichen. Sie sind nämlich keine Tischdecken, sondern sie entsprechen dem Grabtuch Jesu. Ein alter Text wird dem hl. Papst Silvester zugeschrieben, der vor 1700 Jahren lebte. Dort heißt es, das Opfer des Altars solle nicht auf Seide oder auf farbigem Tuch, sondern auf Linnen gefeiert werden: „ex lino puro textum esse debet“, aus reinem Leinen muß es gewebt sein, „wie auch der Herr in einem reinen Linnentuch begraben wurde“. Und hier haben wir genau diese Verbindung!

 

Ich glaube, wir alle könnten von heute an immer daran denken, daß die Altartücher wahre Grabtücher Jesu sind, denn was sich auf dem Altar abspielt, was hier in jeder hl. Messe wirklich geschieht, ist genau das, wofür das Grabtuch Jesu Zeuge ist:  der Opfertod Jesu aus Liebe und seine Auferstehung, der Sieg der Liebe über Tod und Hölle. Wenn wir in Zukunft im Altartuch nicht eine Art von Tischdecke sehen, sondern das Grabtuch Jesu, dann haben wir einen hilfreichen Zugang zu dem Mysterium, das den Kern des katholischen Glaubens ausmacht und das viele heute verloren haben.

 

Heute wird am Ende der Liturgie der Altar entblößt. Wir sehen dann den bloßen Stein. Der Altar stellt Christus dar. Christus wurde entblößt ans Kreuz geschlagen. Heute nacht beginnt er mit den Ölbergstunden seinen Leidensweg. Der bloße Stein erinnert uns auch an den nackten Felsen von Golgatha.  In einer Osterpräfation (V) betet die Kirche zum himmlischen Vater: „Er – Christus –hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.

In diesem Gebet drücken sich tiefste Geheimnisse unseres katholischen Glaubens aus. Jedes eucharistische Gebet richtet sich an den himmlischen Vater. Achten Sie darauf, wen der Priester anspricht im Hochgebet! Immer den Vater. Denn Christus gibt sich dem Vater. Er opfert sich dem Vater. Wir verstehen die Messe nicht, wenn wir den Vater vergessen! Beim Hochgebet spricht der Priester nicht zur Gemeinde, in welcher Richtung auch immer er am Altar steht. Er spricht nicht zur Gemeinde. Er redet nicht uns an. Er spricht zum Vater. „Er – Christus –hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm.“ Und jedes Hochgebet endet: „Durch ihn und mit ihm und in ihm ist Dir, Gott, allmächtiger Vater, alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit.“ Der himmlische Vater liebt uns und gibt seinen Sohn für uns hin. Der Sohn liebt uns und gibt sich für uns hin. Aber wohin, wem gibt er sich? Am Anfang des heutigen Evangeliums hieß es: „Es war vor dem Paschafest. Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.

Und das ist unser aller Ziel, liebe Brüder und Schwestern: zum Vater hinüberzugehen. Wir können es aber nicht, nicht von uns aus. Jesus bahnt uns den Weg, indem er für uns den Tod auf sich nimmt. Er geht uns voran zum Vater. Es ist eine große Bewegung: Kreuz, Tod, Grab, Reich des Todes, Auferstehung, Heimkehr zum Vater. Er geht den Weg für uns, um uns mitzunehmen. In jeder hl. Messe geschieht das unter schlichten Zeichen geheimnisvoll auf dem Altar. Was gibt es Größeres? Amen

 

(Pfr. Christoph Sperling)

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