Das Leben als Drama

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Predigt zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel 2017

Liebe Brüder und Schwestern, warum sind eigentlich für viele Leute Fußballspiele so spannend? Eigentlich ist es doch für uns völlig „wurscht“, welche Mannschaft gewinnt. Vielleicht hängt dieses Interesse vieler am Fußball auch damit zusammen, daß die Spiele ein Bild sind für die Dramatik unseres Lebens. Wir können gewinnen oder verlieren. Wir können das ewige Leben gewinnen oder für ewig verlorengehen. Wir können von Gott getrennt bleiben, Ihm fernbleiben, Ihn ablehnen oder Ihn verlieren, oder wir können uns bekehren und gerettet werden. Es geht wirklich um etwas Großes in unserem Leben. Und darum ist unser Leben noch unendlich spannender als ein Endspiel bei der Fußballweltmeisterschaft. Es ist ein wirkliches Drama.

Im Fußball gibt es eine gegnerische Mannschaft, aber nicht wirklich einen Feind. Man kann gegeneinander spielen und anschließend zusammen ein Bier trinken. Die Hl. Schrift jedoch spricht davon, daß es einen wirklichen Feind gibt. Schon in der Genesis sagt Gott der verführerischen Schlange: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs.“ (vgl. Gen 3, 5, Vg.)

In der Zweiten Lesung (1 Kor 15) hörten wir eben von dem „letzten Feind, der entmachtet wird“, nämlich dem Tod. Und die Apokalypse stellt uns den gefährlichen Drachen vor Augen, der niemand anders ist als die alte Schlange, den Drachen, der die Frau verfolgt und ihr Kind verschlingen will.

Unser Leben ist wirklich ein Drama. Und es gibt wirklich einen Feind. Und es gibt wirklich einen Kampf. Und wir stehen mitten darin. Der Feind ist stark. Und was tut er? Zwei Dinge: Er verführt. Und er klagt an. Verführung und Anklage, Beschuldigung. Das macht das Leben schwer. Spüren wir das nicht jeden Tag? Es ist ein Kampf.

Es gibt wirklich Gut und Böse in unserem Leben. Es ist ein Drama. Alles kann passieren. Gewinn. Verlust. Wenn nichts mehr passieren kann, dann ist das die Hölle. Die Hölle ist der Zustand, wo nicht mehr passieren kann. In diesem Leben können wir uns für Gott, für das Leben, wir können uns auch für das Böse, für die Schlange, für den Drachen entscheiden. Wenn wir das Böse als Böses zerreden, wie es heute oft geschieht, dann ist diese Welt für uns nicht mehr dramatisch. Es gibt keinen Kampf mehr, der es wert wäre, gekämpft zu werden. Es ist notwendig, daß wir das Gute gut und das Böse böse nennen. Das Gute ist immer und überall gut. Das Böse ist immer und überall böse. Wir stehen in diesem dramatischen Kampf zwischen Gut und Böse. Darum geht es auch in der Kirche. Es geht um dieses Drama und damit um das Erreichen oder Nichterreichen unseres letzten Ziels. Wenn es in der Kirche nicht mehr darum, sondern um andere Ziele geht, dann wird die Kirche zu einer langweiligen sozialen Einrichtung mit überholten religiösen Traditionen. Und die Geistlichen werden zu Managertypen mit altmodischen Gewändern. Und unsere Gruppen werden zu langweiligen Kaffeekränzchen. Wo alles gleich gültig ist, ist alles gleichgültig. Wenn alles akzeptabel ist, warum sollen wir dann noch gut sein, uns darum bemühen, dafür kämpfen?

Aber wenn wir begreifen, daß es in der Kirche um das Drama unseres Lebens geht, dann wird das Glaubensleben in seiner wahren Bedeutung sichtbar. Dann ist nicht mehr alles grau und gleichgültig, sondern dann bekommen die Dinge ihre lebendigen Farben zurück.

 

Liebe Brüder und Schwestern, wir stehen also in diesem Kampf, bei dem es um alles geht. Aber wir sind nicht allein! Wenn wir allein wären, hätten wir schon verloren. Wir sind aber nicht allein. Christus hat für uns gekämpft und tritt für uns ein. Und das letzte Kapitel dieses Dramas ist darum schon geschrieben. So konnten wir in der Lesung aus der Apokalypse hören, wie eine laute Stimme im Himmel ruft: „Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.“ Hier vermischen sich die Zeitebenen, und wir schauen und hören schon voraus. Das letzte Kapitel ist schon geschrieben. Christus hat schon gesiegt. Er ist schon auferstanden. Wir aber befinden uns noch in den Kapiteln davor. Und wir schreiben an ihnen mit unserem Leben mit. Das ist das Dramatische. Auf welcher Seite des Kampfes wollen wir stehen?

Brüder und Schwestern, in unserem Herzen lebt eine Sehnsucht. Wir haben Heimweh, selbst wenn wir bei uns zu Hause sind. Es ist das Heimweh nach dem verlorenen Paradies.

Heute ist ein trostreicher Tag. Denn Maria, die Mutter des Herrn und unsere Mutter, ist schon am Ziel, schon in der ewigen Heimat. Und wir schauen auf sie. Und so betet die Kirche im Tagesgebt: „Gib, daß wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit“. Wir schauen auf sie. Und sie ist uns mütterlich nah.

In unserem Leben ist nicht alles grau und alles egal, sondern unser Leben ist ein Drama. Aber wir haben über uns ein Zeichen der Hoffnung und des Trostes: Maria, die schon mit Leib und Seele das große Ziel erreicht hat, nachdem sie wie keine andere den Kampf an ihrer Seele und auch in ihrem Leib erfahren hat. So ist heute ein großes, wunderschönes und trostreiches Fest für alle ihre Kinder. Amen