Geburt des hl. Johannes des Täufers

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Wenn wir den Geburtstag eines Menschen feiern, dann sagen wir: Es ist gut, daß Du da bist. Kindergeburtstage werden wohl heute manchmal zu aufwendig gefeiert, aber wichtig ist die Botschaft von Herz zu Herz: Wir freuen uns so sehr, daß Du da bist. Dahinter steht die Zuversicht, daß das Leben gut ist. Dieses Kind hat hoffentlich eine behütete und geborgene Kindheit, aber wenn es älter wird, wenn es erwachsen ist, wird es bei sich selbst und anderen auch Krisen erleben, Ereignisse, die schwer zu verdauen sind, ja, es wird spüren, daß es Leid gibt in dieser Welt und daß es auch das Böse gibt, Enttäuschungen und Mißverständnisse, Schuld, Haß, Gewalt und Tod und Einsamkeit. Wenn es sensibel ist, wird es manchmal auch die Versuchung zur Verzweiflung spüren. Es wird mit der Frage konfrontiert: Ist es wirklich gut, daß ich lebe? Ist es wirklich gut, daß ich geboren bin? Der alttestamentliche Hiob mußte soviel leiden, daß er einmal seinen Geburtstag verfluchte und sagte: „Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren wurde“ (3, 11). Erst später fand er wieder seinen Frieden. Nur, wer sagen kann: „Es ist gut, daß ich geboren wurde“, wird es auch den eigenen Kindern vermitteln können, daß der Geburtstag und damit das Leben wirklich etwas Gutes ist.

Von Judas Iskariot hat Jesus etwas wirklich Erschütterndes gesagt, nämlich daß es für ihn besser gewesen wäre, „wenn er nie geboren wäre.“ (Mt 26) Judas hatte Jesus verraten und war danach nicht umgekehrt, hat ihn nicht um Gnade gebeten, sondern sich der Verzweiflung hingegeben. Jesus konnte das von Judas sagen. Wir dürfen das nie voneinander sagen. Jahr für Jahr werden Millionen von Kindern abgetrieben. Ihre Mütter sagen von selbst oder werden von anderen dazu gezwungen zu sagen: Es ist besser, daß Du, mein Kind,  nicht geboren wirst. Die Kirche darf niemals aufhören, dieses Verbrechen beim Namen zu nennen, denn diese Kleinen haben kaum einen anderen Anwalt. Aber wer so etwas getan hat, muß nicht wie Judas verzweifeln, sondern darf umkehren und das Wort der Vergebung hören. Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, ist gekommen, um uns zu retten. Er ist der Erlöser. Er ist der Retter, das Leben. Durch ihn können wir Menschen wieder sagen: Wie schön, daß ich geboren bin. Wie schön, daß du geboren bist. Aber das geht nicht automatisch, das geht nicht ohne uns. Der uns ohne uns erschaffen hat, will uns nicht ohne uns erlösen, sagt Augustinus. Ja, die erste Geburt reicht nicht aus. Wir müssen neu geboren werden. So spricht Jesus zu Nikodemus, der einmal nachts zu ihm kommt: „Wenn jemand nicht von neuem (oder: von oben) geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3,3)

Von dem, dessen Geburt die Kirche heute feiert, vom heutigen Geburtstagskind hat Jesus gesagt, daß von allen, die von einer Frau geboren wurden, kein Größerer aufgetreten ist als er, nämlich Johannes der Täufer (Mt 11, 11). Und dann sagt er, daß aber der Kleinste im Himmelreich größer sei als er. Johannes der Täufer steht nämlich genau an der Schwelle, an der Schwelle zwischen dem Alten und dem Neuen Bund. Er ist der letzte der vielen Propheten, die das Kommen des Erlösers ankündigten und ersehnten. Und er ist der, der dem Messias, dem Sohn Gottes, dem Retter, dann wirklich begegnen darf, der, der Ihm unmittelbar vorangeht und Ihm den Weg bereitet und sagen darf: „Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“ (Joh 1, 29).

Nur sechs Monate trennen die beiden Geburtstage. Der Engel der Verkündigung sagt zu Maria: „Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.“ (Lk 1, 36) Daher wird die Geburt des hl. Johannes genau sechs Monate und einen Tag vor der Geburt Jesu gefeiert. In einem halben Jahr ist Heiligabend. Johannes ist untrennbar mit Jesus verbunden. Daher kommt seine Bedeutung. Und wie die Sonne von diesen Mittsommertagen an wieder kürzer am Himmel steht, so wußte auch Johannes, daß er abnehmen mußte, um Platz zu machen für Jesus, der die wahre Sonne der Gerechtigkeit (Mal 3,20) ist und dessen Geburt wir dann feiern, wenn im Dezemberdunkel die Tage beginnen, wieder länger zu werden. „Er muß wachsen, ich aber muß kleiner werden.“ (Joh 3,30) Das ist das Große an Johannes, daß er zurücktreten kann für Jesus, das „aufgehende Licht aus der Höhe“ (Lk 1, 78).

Sein Name ist nicht Zacharias, wie der seines Vaters und wie die Leute erwarteten; sondern sein Name soll Johannes sein. Was bedeutet dieser Name? Gott ist gnädig. Gott schenkt uns die Gnade, durch Glaube und Taufe und ein Leben aus beidem neu und von oben geboren zu werden, damit wir auf ewig sagen können: Es ist gut, daß ich geboren wurde. Es ist gut, daß ich da bin, daß der himmlische Vater mich geschaffen hat. Nachdem Zacharias den Namen Johannes bestimmte, konnte er wieder reden und pries Gott. „Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (Lk 1,66) Johannes wächst heran, er geht in die Wüste, verkündet in strengen Worten Buße und Gericht, spendet die Taufe und darf auf den hinweisen, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen er nicht würdig ist und dem er doch die Taufe spenden muß, denn das gehört zum Erlösungsplan Gottes (vgl. Mt 3, 15).

Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Am Ende geht es seinem Herrn nicht nur in der Geburt, sondern auch im Leiden und im Sterben voran. Er sagt dem Herodes: „Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zu heiraten“ (Mk 6, 18) und muß für diese Wahrheit buchstäblich seinen Kopf hinhalten.

Aber es ist nur das irdische Leben, das er hingibt. Denn jetzt tritt er selbst über die Schwelle, an die er gestellt war, und tritt ein in das Himmelreich, um ewig den zu loben, über den er sich schon im Schoß seiner Mutter freute, als Maria zu Besuch kam (Lk 1, 41).  Schon vor seiner Geburt, noch im Mutterschoß nämlich war er bereits erwählt, ein Knecht seines Herrn zu werden.

Auch wir sind erwählt, Kinder Gottes zu sein. Schon vor unserer Geburt und sogar vor der Erschaffung der Welt (vgl. Eph 1)! Wenn wir aus dieser Wahrheit leben, dann können wir trotz allem, was uns oft bedrückt, sagen: Wie schön, daß wir geboren sind! Amen