„Sie wollten das ganze Kloster dem Feuer übergeben, um es völlig zu vernichten. ​ Ein Rückblick auf die ‚longue durée‘ des bäuerlichen Geschehens in Hamersleben vor dem Bauernkrieg von 1525“ von Günter Peters

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Der Aufsatz „Sie wollten das ganze Kloster dem Feuer übergeben, um es völlig zu vernichten. ​ Ein Rückblick auf die ‚longue durée‘ des bäuerlichen Geschehens in Hamersleben vor dem Bauernkrieg von 1525“ von Günter Peters wurde im „Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte“, 21. Jahrgang 2025, S. 269 286 veröffentlicht. ​

Zusammenfassung:

Der Aufsatz beleuchtet anhand der vorhandenen archivalischen und sonstigen schriftlichen Quellen die historischen und sozialen Gegebenheiten im ostsächsischen Dorf Hamersleben zwischen dem 12. und dem frühen 16. Jahrhundert, also vor dem Deutschen Bauernkrieg von 1525. ​ Peters analysiert die „longue durée“ des bäuerlichen Lebens und die Beziehungen zwischen der bäuerlichen Gemeinde und den geistlichen Obrigkeiten, insbesondere des Augustinerchorherrenstifts St. Pankratius. ​Das Stift war vor allem in den Zeiten um 1200 nicht nur eine bedeutende klösterliche Grundherrschaft, sondern es strahlte wissenschaftlich und kulturell weit über seine ostsächsische Nachbarschaft ins damalige mittelalterliche deutsche Reich hinein.

Er beschreibt die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen der Stiftsgrundherrschaft, die durch Regeln und Abgaben geprägt waren. ​ Trotz gelegentlicher Konflikte, wie Streitigkeiten um Wasserrechte oder Holzdiebstähle, waren die Verhältnisse zwischen Bauern und Stiftsherren im Vergleich zu anderen Regionen relativ stabil und auskömmlich. ​ Die Bördeböden in der Region boten gute Erträge, und das Kloster konnte durch wirtschaftliche Anpassungen, wie die Windesheimer Reformen und eine rentable Fischzucht im 15. Jahrhundert, die Herausforderungen der Zeit bewältigen. ​Allerdings kam es 1486 auf klösterlichen und bischöflichen Wunsch zur Abtrennung und Errichtung der sogenannten Bauernkirche. Auf diesem Gelände steht die heutige evangelische Kirche. Beide trennt die damals gezogene noch immer sichtbare Mauer.

Peters stellt fest, dass die sozialen Spannungen in Hamersleben nicht mit den gravierenden Bedrängnissen in süddeutschen Herrschaften vergleichbar waren, die den Bauernkrieg auslösten. Dennoch kam es am 6. Mai 1525 zu einem Klostersturm, bei dem mehrere Hundert bewaffnete Bauern das Kloster plünderten. ​ Dieser Angriff war der nördlichste und letzte Klostersturm des Bauernkriegs. ​ Trotz der Bedrohung überstand das Kloster die Ereignisse relativ unbeschadet. ​

Der Autor betont, dass die Hamerslebener Situation bisher in der Bauernkriegsforschung keine Beachtung gefunden hat und verweist auf die Notwendigkeit detaillierter Untersuchungen der lokalen Gegebenheiten.