Eine Predigt zu Empfängnis und Empfängnisverhütung

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(15 So JK A 2008, 10 Jahre später immer noch aktuell):

Am 25. Juli 1968, also fast genau vor 40 Jahren, veröffentlichte Papst Paul VI seine berühmte Enzyklika „Humanae vitae“ über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens. Darin ging es auch um die Frage, ob künstliche Empfängnisverhütung moralisch erlaubt sei. Damals war seit drei Jahren die sogenannte Antibabypille auf dem Markt und galt als große Errungenschaft. Gegen die Erwartungen der Öffentlichkeit und auch vieler Katholiken sprach sich der Papst aber gegen die Anwendung künstlicher Empfängnisverhütung aus. Dafür wurde er, wie er vorausgesehen hatte, stark angegriffen. Und dafür wird die Kirche bis heute lächerlich gemacht. Vor allem Papst Johannes Paul II. hat die Lehre von Paul VI. weitergeführt und tiefer begründet. Meiner Ansicht nach war die Enzyklika „Humanae Vitae“ eine der größten Leistungen Pauls VI. Sie war nicht nur mutig, sondern auch prophetisch. Wahrscheinlich wird man das in späteren Jahren noch deutlicher erkennen. Leider nur haben sehr viele Theologen, Pfarrer und auch Bischöfe ihre Aufgabe nicht wahrgenommen, die Lehre der Kirche den Gläubigen zu verkünden und verständlich zu machen. Paul VI. sah schon 1968 voraus, welche Ergebnisse die künstliche Empfängnisverhütung bringen würde. Er sagte voraus, daß sich ein „breiter und leichter Weg zur ehelichen Untreue und zur allgemeinen Aufweichung der sittlichen Zucht auftun“ werde. Dies ist zweifellos so eingetroffen. Die Scheidungsrate etwa betrug z.B. in Deutschland 1965 12 %, 2005 52 %. Die sogenannte befreite Sexualität hat also nicht zu glücklicheren Menschen geführt! Wir befinden uns in einer von Pornographie durchdrungenen Umwelt, in der viele Menschen unter ihrer unerfüllten Sehnsucht nach Liebe, Treue, Geborgenheit und Familie leiden. Des weiteren prophezeite Paul VI., daß die künstliche Empfängnisverhütung es besonders der Jugend schwer machen würde, das Triebleben zu kontrollieren. Auch das ist eingetroffen. Für die allermeisten Jugendlichen. Sexualität ist banalisiert, wird viel zu früh und ohne wirklich reife Liebe praktiziert. Viele sind deshalb sehr unglücklich, weil sie um die wunderbare Erfahrung echter Liebe gebracht wurden. Eine Ärztin, die in Schulen über AIDS spricht, schrieb mir einmal: „die meisten jungen Gesichter sind so traurig und verletzt, aber der Hunger nach Annahme und nach Liebe ist riesengroß.“ Jugendliche bekommen oft von ihren Eltern viel zu wenig Hilfe! Papst Paul VI. prophezeite eine weitere schlimme Entwicklung, Er schrieb: „Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, könnten die Ehrfurcht vor der Frau verlieren, und, ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet.“ Man kann nicht leugnen, daß das so gekommen ist. Paul VI war einer der größten Verteidiger der Würde der Frau! Wie oft sind Männer und Frauen, Jungs und Mädchen füreinander nur noch „Werkzeuge der Triebbefriedigung“!

Wenn Ehepaare sich aus wichtigen Gründen entscheiden, (vorerst) keine weiteren Kinder zu zeugen, dann empfiehlt die Kirche die sogenannte Natürliche Empfängnisregelung, die noch immer viel zu wenig bekannt ist. Sie ist natürlich und sicher, billig, gesund, entspricht Gottes Gesetz und ist gut für die Partnerschaft. Ich bedaure es außerordentlich, daß es in unserem Bistum keine offizielle Beratungsstelle für NER gibt. NER setzt natürlich voraus, daß beide Partner hier dieselbe Einstellung haben. Deswegen ist eine gute Ehevorbereitung sehr wichtig. Und noch etwas hat Paul VI vor 40 Jahren prophezeit, nämlich die Einmischung der staatlichen Behörden “in ganz persönliche und intime Aufgaben der Eheleute“ Auch dies ist in vielen Ländern so eingetroffen, z.B. wenn die UNO armen Staaten ihre Abtreibungs- und Verhütungsprogramme aufzwingt. Heute sieht man noch andere negative Wirkungen, die der Papst nicht genannt hat, z.B. die Zunahme von Sterilität, Gesundheitsschädigungen, frühabtreibende Wirkung vieler Präparate, die Zunahme von Abtreibungen insgesamt. Man spricht von 50 Schulklassen pro Werktag, die durch vorgeburtliche Tötung am Leben gehindert wird in unserem reichen Land. Ich befürchte, daß Gott uns einmal fragen wird, warum wir dazu geschwiegen haben.

Nach 40 Jahren, in denen auch unter Katholiken nur eine Minderheit der kirchlichen Lehre gefolgt ist, aber in denen die Menschen nicht glücklicher geworden sind, nachdem Familien und Ehen immer öfter zerbrechen, nachdem die westliche Gesellschaft offenen Auges auf die demographische Katastrophe zusteuert, durch die einer kleinen Zahl von Jungen eine immer größere Zahl von Alten gegenüberstehen wird, nachdem all dies sich so entwickelt hat, sollten wir in uns gehen und uns fragen, ob es nicht besser wäre, auch auf die unbequemen Aspekte der kirchlichen Lehre zu hören. Mir ist bewußt, daß es auf diesem Gebiet viele Schwierigkeiten und Fragen gibt, die man nicht in einer Predigt behandeln kann, aber ich möchte einmal klar herausstellen: Die Päpste und mit ihnen die gesamte kirchliche Tradition haben Recht gehabt, und es wird höchste Zeit umzukehren!

Durch die künstliche Empfängnisverhütung hat der Mensch zwei Dinge getrennt, die Gott verbunden hat, nämlich die Sexualität und die Fruchtbarkeit. Die Menschen haben sich selber unfruchtbar gemacht.

Es gibt nicht nur eine leibliche Unfruchtbarkeit, sondern auch eine geistliche Fruchtbarkeit. Es gibt daher auch eine geistliche, eine seelische Empfängnisverhütung. Davon spricht Jesus heute im Evangelium: „Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile.“ Wer geistig nicht empfangen will, wer sich die Augen des Herzens zuhält und die inneren Ohren verstopft, der kann nicht geheilt werden. Aber Gott möchte heilen. Darum sät der Sämann im Gleichnis Jesu auch auf die Stellen, wo das Säen eigentlich keinen Sinn hat, auf den Weg, auf den Felsen, auf das dünne Erdreich, in die Dornen. Auch da, wo es eigentlich keine Hoffnung gibt, hat Gott Hoffnung auf Fruchtbarkeit. Der hl. Johannes Chrysostomus sagt dazu ein sehr schönes Wort: Im materiellen Sinn ist das Tun des Sämanns unsinnig, aber im Bereich der Seele „kann Felsboden fettes Erdreich werden“. Auch wenn die Menschen für ihren Ungehorsam, d.h. für ihr Nicht-Hören-Wollen, für ihre geistige Empfängnisverhütung, viel leiden müssen, so hört doch der göttliche Sämann nicht auf, seinen Samen auszustreuen. Gott hat die Hoffnung nicht aufgegeben, daß wir Frucht bringen. Das ist Trost und Hoffung. Amen