Die vergebende Liebe des göttlichen Bräutigams

5 Fastensonntag C 2019      Jes 43, 16-21; Phil 3, 8-14; Joh 8, 1-11

Brüder und Schwestern, stellen sie sich ein junges Brautpaar vor. Der Bräutigam und die Braut lieben sich in großer und reiner Liebe. Sie sind ganz glücklich übereinander. Sie vertrauen sich. Sie wollen ihr ganzes Leben gemeinsam verbringen und sich immer treu sein.

Diese Liebe zwischen Mann und Frau ist in der Hl. Schrift, schon im Alten Testament, Bild für die Liebe Gottes zu seinem Volk. In Jes 62, 5 heißt es: „Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“ Und in Hosea 2,21-22: „Ich traue dich mir an auf ewig;  ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an / um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.

Die eheliche Liebe ist eine Realität in der Schöpfung, durch die die Schöpfer- und Erlöserliebe Gottes zu uns ausgedrückt wird. Ja, im Sakrament der Ehe empfangen die Brautleute sogar die Gnade, daß diese göttliche Liebe ihre menschliche erfüllt und besiegelt.

Darum wird die Untreue zu Gott, der Abfall vom Glauben, das Verehren falscher Gottheiten in der Hl. Schrift häufig als Ehebruch bezeichnet. Jesus nennt seine Zeitgenossen ein „böses und ehebrecherisches Geschlecht“ (Mt 12, 39), was sicher nicht bedeuten sollte, daß die angesprochenen Pharisäer und Schriftgelehrten alle ihre Ehen gebrochen hätten. Nein, jede Untreue Gott gegenüber ist in gewisser Weise Ehebruch.

Wenn wir die hl. Kommunion empfangen, so empfangen wir auch ein Sakrament der Ehe, nämlich ein Sakrament der treuen und opferbereiten Liebe Gottes zu seiner Braut, der Kirche. Deshalb ist der Empfang der hl. Kommunion  nicht mit einem Leben in Ehebruch vereinbar!

Was ist Ehebruch? Wenn jemand sich vereinigt mit einem Menschen, der mit jemand anderem verheiratet ist, oder wenn ein verheirateter Mensch sich mit einem vereinigt, der nicht sein Ehepartner ist. Wenn wir anderen Göttern nachlaufen, begehen wir Ehebruch. Wenn wir den Sonntag nicht heiligen, sondern unserer Arbeit oder unserem Vergnügen oder unserer Faulheit oder unserem Hobby den Vorzug geben, begehen wir Ehebruch. Wenn wir dem Geld und dem Wohlstand huldigen, begehen wir Ehebruch. Wenn wir Hirten der Kirche den Glauben weder leben noch verkünden, begehen wir Ehebruch. Wenn wir uns dem Zeitgeist oder der öffentlichen Meinung anpassen, statt auf den Heiligen Geist zu hören, begehen wir Ehebruch. Immer wenn wir Gott, der uns liebt wie ein Bräutigam, durch unser Handeln oder Unterlassen, durch unsere Worte und Gedanken zurücksetzen und beleidigen, dann begehen wir Ehebruch.

Im wunderbaren heutigen Evangelium wird also eine Ehebrecherin, die auf frischer Tat ertappt worden war, zu Jesus geführt. Man will Ihm eine Falle stellen. Wenn Er sich für die Steinigung ausspricht, kann Er der Hartherzigkeit angeklagt werden: Seht, Er ist gar nicht so barmherzig, wie er tut. Wenn Er für Gnade plädiert, kann man sagen: Er ist für Ehebruch. Er ist gegen Gottes Gesetz.

Jesus aber gibt die göttliche Antwort: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe der ersten Stein auf sie.“ Das Wort trifft sie ins Herz, zuerst die Ältesten. Sie haben die meiste Lebenserfahrung und wissen genau, daß keiner von ihnen ohne Sünde ist. Am Ende bleibt der Herr mit der Frau allein: „Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? – Keiner, Herr. – Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Brüder und Schwestern, dasselbe geschieht mit uns in der Beichte. Zu einer echten Beichte gehören sechs Elemente: die Gewissenserforschung (hier bei der Frau ist sie schon geschehen, denn ihre Sünde ist offenkundig), die Reue (schon allein aus Angst bereut die Frau, aber durch die Begegnung mit Jesus beginnt sie auch, aus echter Liebe den Ehebruch zu bereuen), das Bekenntnis (auch dies ist hier schon geschehen; die Frau „wird“ sozusagen „gebeichtet“), der Vorsatz, nicht mehr zu sündigen (ohne diesen könnte es keine Vergebung geben),  die Buße: meist eine kleine, symbolische Aufgabe, die der Priester uns gibt (das künftige Leben der geretteten Ehebrecherin wird ein Leben im Zeichen der liebenden und dankbaren Buße gewesene sein) und schließlich die Absolution, die Lossprechung: Jesus sagt: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Die Frau kehrt nicht zu dem Mann zurück, mit dem sie die Ehe gebrochen hat, sondern sie beginnt ein neues Leben. Die erste Lesung spricht in wunderbaren Bildern von diesem neuen Leben, wenn es heißt: „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Sehr her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?

Dieses Neue ist so wunderbar, daß – wie wir in der Zweiten Lesung hörten- , der hl. Paulus nach seiner Bekehrung alles Aufgegebene nich nur als wertlos, sondern sogar als Verlust ansieht, „weil die Erkenntnis Jesu Christi alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat , um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein“.

Möge die diesjährige Fastenzeit, die bald schon wieder zu Ende geht, möglichst vielen von uns diese wunderbare Erfahrung schenken. Amen

  1. Eckhard A Hosang

    Da ich das chinesische Evangelium nicht wirklich verstehe, habe ich es lieber unter Johannes 8.1-11 nachgelesen, denn wir haben es auch hier gehört. Die Predigt dazu habe ich nun erst recht nicht verstanden. Danke, dass ich Ihre nun lesen konnte.
    Ich bin sehr dankbar für die Barmherzigkeit Gottes, so konnte ich meine Frau heiraten und kann mit Ihr im Glauben leben.
    Die vielbeschworene Erneuerung der Kirche wird nicht durch die ständige Diskussion über das Zölibat erreicht, sondern kann nur durch einen glaubwürdig gelebten Glauben vom ersten bis zum letzten Diener im Kirchenamt und das sich daraus ergebende Vorbild für alle Menschen erreicht werden.
    Danke, dass Sie mich und die anderen immer wieder daran erinnern und wieder auf den rechten Weg führen.

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