Sperlingsnacht. Eine Weihnachtsgeschichte von Daniel Schaup

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Was für ein nächtliches Unwetter so kurz vor Weihnachten, mit Regenschauer, zuckenden Blitzen und einem Grollen, das die Bäume zittern ließ! Die Urgroßeltern nannten solche Nächte Sperlingsnächte, weil die Sperlinge aus ihren Nester fliehen und wild umherflattern. Der kleine Florian hatte noch nie etwas von Sperlingsnächten gehört. Seine Urgroßeltern waren seit vielen Jahren tot, er wusste nicht einmal ihre Namen. So saß er im Bett, die Decke ganz fest um sich geschlungen. Er lauschte auf das Knallen und Pochen des Regens gegen sein Fenster und auf das Summen und Zischen des Windes, dann zuckte er zusammen, wenn es grausig grummelte.

In das Grollen und Toben mischten sich die Stimmen von Florians Eltern, die sehr laut miteinander sprachen. Bald wird seine Mutter vom Streit ermüdet weinend in einer Ecke sitzen oder sein Vater mit der Tür knallend die Wohnung verlassen. Seit mehreren Monaten stritten sie sich beinah jeden Abend. Enorm viel Wut und Enttäuschung hatte sich in ihnen aufgestaut. Taub geworden für den anderen, umtost vom Lärm einer sich immer schneller drehenden Welt, erfror ihre Liebe und ihre Ehe zerbröckelte in jedem Streit mehr. Florian hielt sich die Ohren zu, wenn es im Wohnzimmer laut wurde und der Streit aus einer Nichtigkeit hervorbrach. In dieser Nacht aber war es vor seinem Fenster genau so schlimm und furchterregend wie hinter der Wohnzimmertür, wo seine Mutter zu schluchzen begann.

Da blitzte es zum zweiten Mal so heftig, dass die gespenstischen Schatten in seinem Zimmer standen, die Schatten seiner Plüschtiere, seiner Modellflugzeuge, die sein Vater an die Decke gehängt hatte und des großen Schrankes, in dem sich seine Legokästen stapelten. Abermals blitzte es: Sahen die Schatten jetzt nicht ganz anders aus, wunderte sich Florian? Schlagartig wurde es schwarz, viel schwärzer als zuvor. Florian fröstelte und er zog seine Decke fester um sich. Er starrte in das Dunkel und lauschte: auch im Wohnzimmer war es still!

Erneut zuckte ein Blitz und die seltsamen Schatten waren wieder da. Hatte sich ein Funke in seinem Zimmer verfangen? War da nicht ein Licht, da hinten neben dem Schrank? Was war das nur? Jetzt kam das Licht auf ihn zu, näher und näher, Florian erstarrte als er sah, wer da vor ihm stand: Ein kleiner alter Mann mit einem dichten weißen Bart, auf dessen Kopf keine Haare waren, sondern eine Kerze steckte, sie flackerte, wenn er sich bewegte.

„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte der Mann, mit einer sehr tiefen Stimme, die sehr freundlich klang.

„Ich habe keine Angst“, sagte Florian, „wer bist du?“

„Ich heiße Carsten Candelarum.“ „Ich bin Florian.“

„Ich weiß.“

„Was willst du hier?“

„Dich einladen.“

„Mich einladen?“

„Ja, ich möchte dich einladen zu einer kleinen Reise.“ !

„Einer Reise?“

„Ja, einer Reise von hier nach hier.“

„Von hier nach hier“, fragte Florian und musste lächeln.

„Ja, eine weite Reise!“

„Das ist doch nicht weit!“ Florian zügelte sich. Sein Vater hatte erst letzte Woche zu ihm gesagt, er solle nicht immer so ein kleiner Klugscheißer sein. Außerdem wollte er den alten Mann mit der Kerze auf dem Kopf nicht verärgern.

„Wieso glaubst du, dass es keine weite Reise ist?“

Florian zögerte: „Weil eine Reise von hier nach hier ja bedeutet, dass ich einfach sitzen bleibe!“ Er freute sich, dass er mehr wusste als der Mann, so wie er sich freute, wenn er seiner Lehrerin Frau Kräuter etwas erzählte, von dem sie noch nie gehört hatte wie die komplizierten Dinosaueriernamen, die er fehlerfrei aufsagen konnte. Carsten Candelarum lächelte Florian an und sagte: „Dann wäre es aber keine Reise, Florian, denk mal richtig nach!“ Florian wusste sofort, dass Carsten Recht hatte und ärgerte sich: „Das stimmt“, gab Florian zu, „aber was ist eine Reise von hier nach hier?“

„Eine Reise durch die Geheimnisse des Lebens!“

Florian rutschte die Decke von seinen Schultern. „Die Geheimnisse des Lebens“, murmelte er mehrmals vor sich hin und Carsten grinste ihn an und die Kerze flackerte auf seinem Kopf, denn er nickte dabei.

„Wenn du willst, Florian, können wir gleich los, was meinst du?“ Florian war geschockt, jetzt gleich? „Du brauchst keine Angst zu haben, komm einfach zu mir, mit dem nächsten Blitz bringe ich dich zur ersten Station.“ Florian sprang aus seinem Bett und Carsten fasste ihn an der Hand, hüllte seinen braunen Mantel um ihn und als ein Blitz durchs Zimmer zuckte, wackelte und brummte es. Florian schloss die Augen und krallte seine Finger in den Stoff von Carstens Mantel.

„Da sind wir“, hörte er Carstens tiefe Stimme sagen und Florian öffnete die Augen. Sie standen auf einem Felsen, in dem es viele Löcher gab, in denen kleine Carstens steckten mit einer Kerze auf dem Kopf. Der Felsen sah aus wie eine Geburtstagstorte. Es war nicht hell, aber auch nicht dunkel, alles war in ein seltsames Grau getaucht, gegen das der Kerzenschein ankämpfte.

„Wo sind wir“, fragte Florian

„Wir sind am Lichterfelsen.“

„Wer sind denn die alle?“

„Das sind meine Brüder.“

„Deine Brüder?“ „Ja. Da zum Beispiel ist Conrad.“ Und Carsten winkte, worauf Conrad seinen Arm hob. Auch Florian winkte Conrad zu.

„Jetzt musst du dort entlang gehen, siehst du das hölzerne Tor, das hin und her wackelt?“

„Ja, ich sehe es. Und du, kommst du nicht mit?“

„Nein, da kann ich nicht hineingehen, dort wohnt der Wind, verstehst du?“ Florian nickte und schaute die Kerze auf Carstens Kopf an. „Sehen wir uns wieder, Carsten?“

„Vielleicht. Aber du kannst an mich denken, wenn du eine Kerze an eurem Adventskranz anzündest. Das sind meine Neffen, die machen ihr Praktikum bei euch!“

Florian ließ Carstens Mantel los und ging auf das schwankende hölzerne Tor zu. Er zögerte, es aufzustoßen, aber als er seine Hand auf das raue Holz legte, öffnete es sich wie von selbst und eine kräftige Brise wehte in sein Gesicht. „Tür zu“, rief eine Stimme laut, „es zieht!“ Die Stimme klang unfreundlich. Knarrend schloss sich das Tor hinter ihm und er drehte sich um: Ein kleines Mädchen, nicht viel größer als er hatte es geschlossen und um ihren schmalen Körper wehten bunte Stofffahnen, gelb und rot, grün und blau. „Hallo“, sagte es. „Hallo“, gab Florian zurück. Der Wind, der den Stoff flattern ließ, war nicht kalt, aber Florians Haare durchwühlte er und zauberte die wildesten Frisuren auf seinem Kopf. Das sah lustig aus und das Mädchen lachte.

„Wer bist du“, fragte Florian. „Ich bin Veronika Ventum und du bist Florian, richtig?“

„Ja“, sagte Florian verwirrt, „woher weißt du, wer ich bin?“

„Carsten hat gesagt, dass du kommst.“

Da erscholl wieder die laute unfreundliche Stimme: „Ist er da?“

„Ja, Vater“, rief Veronika.

„Dann bring ihn zur Rutsche!“

„Mache ich!“

„Zur Rutsche“, fragte Florian.

„Ja, komm!“ Und Florian folgte Veronika, die vor ihm her sprang. Ihr weites buntes Kleid führte einen wilden Tanz auf, zusammen mit ihrem langen schwarzen Haar. Sie sieht wunderschön aus, dachte Florian und begann ebenfalls zu springen. Der Wind schob ihn voran, sodass er glaubte, fliegen zu können. Es machte ihm viel Spaß mit Veronika durch die Luft zu springen, mit ihr zu lachen und ab und zu fassten sie sich an den Händen und drehten sich zusammen in einer Windböe.

Dann standen beide vor einem Spalier, an dem viele kleine Fähnchen hingen und wild nach allen Richtungen flatterten. „Da musst du durch und deine Rutschfahrt beginnt“, sagte Veronika und es wirbelte rot und blau, grün und gelb um ihren kleinen zarten Körper.

„Kommst du nicht mit“, fragte Florian und starrte auf das schwarze Loch, um das die Fahnen flatterten.

„Nein, ich muß hierbleiben, ich bin eine Tochter des Windes!“

„Dann will ich bei dir bleiben!“

„Du bist doch ein Reisender, Florian, es dauert noch viele Jahre, bis du ankommst!“

„Viele Jahre“, fragte Florian entsetzt und dachte zum ersten Mal an seine Mutter, die sich bestimmt schon Sorgen machte.

„Ja“, lachte Veronika, „du bist ein Kind und deine Reise hat erst begonnen, wir werden uns oft wiedersehen.“

„Ja“, und Florian freute sich.

„Ja, manchmal werde ich hinter dir sein und es wird Zeiten geben, da puste ich dir gewaltig ins Gesicht, dann weißt du aber, dass ich es bin, Veronika, deine Freundin.“

Hatte sie wirklich Freundin gesagt? Florian lächelte.

„Jetzt musst du aber los, eine wilde Fahrt wartet auf dich! Aber hab keine Angst! Hörst du, niemand kann dir Angst machen!“

Florian zögerte. Veronika schaute ihn so liebevoll an, dass er tat, was sie von ihm verlangte. Nur einen kleinen Schritt hatte er in das Dunkel hinter dem Spalier gesetzt als die wilde Rutschpartie losging: Es schüttelte ihn und alles um ihn und in ihm wackelte. Er sah nicht, wohin die Fahrt ging; sein Magen drehte sich einmal links, dreimal rechts, dann kniff er die Augen zu. Um ihn herum begann es zu Grummeln und zu Gurgeln, zu Donnern und zu Knallen, immer unheimlicher wurde ihm und er wollte nach seiner Mutter rufen oder nach Veronika, aber sein kleiner Körper wurde so sehr gerüttelt und geschüttelt, dass er nicht die Kraft dazu hatte.

Plötzlich stoppte er als sei er in der Röhre steckengeblieben; er blinzelte ein wenig, weil er sich nicht traute, seine Augen zu öffnen. Er wartete noch einen Moment, dann machte er langsam seine Augen auf und schaute sich um: Er lag auf einer Art Bett, es erinnerte ihn an die Matten aus dem Sportunterricht. Da vernahm er einen seltsamen Ton, eine Mischung aus Summen und Klingeln, er schmerzte in seinen Ohren je länger er ihn hörte. Da veränderte sich der Ton, ging in die Höhe, wurde wieder tiefer, Worte formten sich, die er nicht richtig verstand, aber es mussten Worte sein. Allmählich hörte er sie deutlicher und klarer, jemand sprach zu ihm. Er drehte sich um: niemand da. Florian stand auf, wankte ein wenig, in ihm drehte sich alles von der wilden Fahrt. Was sagte die Stimme da? Rief sie seinen Namen?

Ja, jetzt hörte er es ganz deutlich: „Florian, Florian!“ Sollte er antworten? „Florian!“ „Ja, hier bin ich. Wer ist denn da?“ Es summte und dröhnte wieder so laut, dass Florian seine Ohren zuhielt. „Wer ist denn da“, rief Florian. Der Ton wurde leiser. Florian lauschte und er hörte die Stimme sagen: „Niemand!“

„Niemand? Wie kann niemand etwas sagen?“ Ein Lachen knallte durch die Luft. „Hallo“, schrie Florian wütend und ängstlich.

„Wie kann denn Florian etwas sagen“, antwortete die Stimme, „Florian ist auch niemand?“

„Ich bin Florian und nicht niemand! Was wollen sie, wo sind sie?“

„Du kennst mich, Florian, erinnerst du dich nicht?“ Florian erschrak. Woher sollte er diese seltsame Stimme kennen?

„Hallo, ich kenne sie nicht, hören sie. Ich will nach Hause oder zurück zu Veronika!“

„Was willst du zu Hause? Deine Eltern streiten sich die ganze Zeit? Haben sie überhaupt Zeit für dich?“ Und wie von einem Tonband eingespielt hörte er plötzlich die Stimmen seiner Mutter und seines Vaters wie sie sich stritten, sich anschrien und gegenseitig beleidigten. Sie sagten sich furchtbare Dinge. Auf einmal wurden Florians Knie ganz weich und fast wäre er auf die Matte gefallen: Die Stimmen seiner Eltern klangen genauso schrecklich wie die Stimme dieses Niemand? „Wer sind sie“, rief Florian und seine Angst war so groß, dass er weglaufen wollte, aber alles in ihm fühlte sich wie eingefroren an.

„Du kennst mich Florian! Vielleicht werden wir einmal Freunde werden, weißt du, dass ist sehr schön, mich zum Freund zu haben. Du findest mich überall, wo es laut ist! Im Lärm fühle ich mich wohl und auch dir wird es gut gehen, sehr gut im Lärm! Da sind nur wir zwei: Florian und Niemand! Dann wirst du sein wie ich – niemand!“

Da spürte Florian plötzlich einen Windstoß in seinem Rücken, der immer stärker wurde bis er nicht mehr gegen ihn ankämpfen konnte. Eine neue Böe zwang ihn, einen Schritt zu machen und noch einen, bis er anfing zu laufen. Wie ein Blatt im Herbst tänzelte er voran. Er lief nicht aus eigener Kraft, dennoch wurde ihm wohler ums Herz, denn er dachte an Veronika, sie musste es sein, die ihn hier wegbrachte.

„Florian“, rief die entsetzliche Stimme, „Florian, vergiss nicht, wo du mich findest, wir wollen doch Freunde werden!“ Und Florian ging schneller und schneller bis er am Horizont die Sonne aufgehen sah. Das Licht kam näher und sein kleiner kalter Körper entspannte sich umhüllt von einer angenehmen Wärme. Florian atmete tief ein und aus und bemerkte nicht, wie der Wind sich legte. Jetzt ging er aus eigener Kraft auf das Licht zu.

Da bemerkte er, dass er über eine Wiese lief, die herrlich grün war; überall standen Bäume, die wunderschön blühten und dufteten wie das Parfüm seiner Mutter. Es war herrlich still. Seine Angst verflog. Vor ihm in der Wiese sah er etwas glitzern und er ging darauf zu. Je näher er kam, desto mehr glitzerte die Wiese. Er erkannte, dass überall Murmeln im Gras lagen. Sie waren wunderschön und das Sonnenlicht brach sich herrlich im bunten Glas. Er wollte eine aufheben, da rollte eine neue Murmel an ihn heran. Er blickte sich um und sah ein Kind lachend und tanzend auf ihn zu springen. Es war ein Junge und Florian freute sich, nicht mehr allein zu sein.

„Hallo“, sagte der Junge. Und Florian gab ein Hallo zurück. „Du bist Florian, richtig“, fragte der Junge. „Ja.“ Allmählich wunderte ihn nichts mehr, auch nicht, dass ein fremder Junge seinen Namen wusste, vielleicht war er ein Bruder von Veronika oder ein Bruder von Carsten. Moment, das konnte nicht sein, denn der Junge hatte keine Kerze auf dem Kopf! Er sah ganz normal aus, so wie er, nur trug er keinen Schlafanzug, sondern eine kurze Hose und ein sehr buntes T-Shirt. „Wollen wir Murmeln spielen“, fragte der Junge. Florian hatte schon von diesem Spiel gehört. Seine Oma hatte einmal davon erzählt, aber er selbst und keiner seiner Schulkameraden spielten dieses Spiel.

„Wir müssen da ein kleines Loch in die Wiese machen und versuchen, unsere Murmeln in das Loch zu rollen.“ Er gab Florian einige Murmeln in die Hand und grub mit seinen Fingern ein Loch in die Wiese. Das Spiel machte Florian großen Spaß. Die Murmeln waren wunderschön und warm; kullerten sie über die Wiese, spielte das Sonnenlicht mit ihren Farben. „Wer bist du“, fragte Florian als er eine Runde gewonnen hatte. Der Junge lächelte ihn an und seine dunkelbraunen Augen strahlten.

„Ich bin dein Freund“, sagte er.

„Mein Freund? Aber ich kenne dich doch gar nicht!“

„Natürlich kennst du mich, wir sind schon sehr lange Freunde!“

Florian erinnerte sich an die gruselige Stimme dieses Niemand, der gesagt hatte, dass sie bald Freunde werden würden, er müsse nur im Lärm nach ihm suchen. Die Murmel in Florians Hand war so angenehm warm und um ihn war alles so herrlich still: Niemand war weit weg.

„Wie kannst du schon lange mein Freund sein, wenn ich dich doch gar nicht kenne“, fragte Florian. „Du weißt schon sehr lange, dass es mich gibt und jetzt spielen wir zusammen, ist das nicht wunderbar!“

Von ferne hörte Florian eine Frauenstimme rufen. Der Junge drehte sich um. „Das ist meine Mutter, ich muss nach Hause. Weißt du, ich habe bald Geburtstag, da musst du ganz fest an mich denken. Immer, wenn du an mich denkst, bin ich bei dir. Ich schenke dir eine Murmel, Florian, dann weißt du, dass ich immer bei dir bin. Wenn du die Murmel in deine Hand nimmst und ganz still wirst, brauchst du keine Angst mehr zu haben, vor niemand!“

Und der Junge rannte los und Florian hörte die Frau rufen. Der Junge rannte auf die Frau zu, die selbst aus dieser Entfernung wunderschön aussah, als sei sie in ein Kleid aus Kerzenschein gekleidet. Florian blickte in seine Hand und besah sich die Murmel. Er war müde und setzte sich in die Wiese, seine Augen konnte er nicht von der Murmel lassen. Plötzlich öffnete sich seine Zimmertür und seine Mutter stand vor ihm. „Was machst du da, Florian“, fragte sie und sah ihn vor sich auf dem Bett sitzen in ein Licht gehüllt, das aus seiner Hand strahlte. Florian blickte auf und lächelte seine Mutter an. „Mutti, schau, was ich geschenkt bekommen habe.“ Und seine Mutter trat zu ihm, ihr Gesicht war ganz rot und geschwollen, ein paar Tränen kullerten über ihre Wangen. Sie setzte sich auf die Bettkante und sah in das Licht der Murmel: jetzt spürte auch sie die Wärme.

„Du kannst doch nicht einfach weggehen, Katja“, und Florians Vater kam ins Zimmer, aufgebracht und sehr wütend. „Psst“, sagte Florian und schaute seinen Vater an, „wir müssen still sein, dann ist er da, mein Freund.“ Und sein Vater setzte sich zu ihnen auf die Bettkante; er schaute ins Licht und die Wärme beruhigte ihn. Nach einer Weile legte Katja ihren Arm um Florian und wenige Sekunden später tat sein Vater ihr es gleich. Beide schauten sich an und ihre Hände berührten sich. Auf einmal sahen sie den anderen in einem neuen Licht und all die Wut war verschwunden. In den vergangenen Monaten hatten sie sich so leer und kalt gefühlt, betäubt vom Lärm ihres Lebens. Jetzt erschien all der Streit wie aus einer anderen Zeit, in der sie sich selbst nicht kannten.

„Bald hat mein bester Freund Geburtstag“, flüsterte Florian, da müssen wir groß feiern und die Neffen von Carsten anzünden!“ Florians Eltern lachten. Und alle drei saßen zusammen auf Florians Bett bis die Sonne aufging und die Sperlingsnacht vertrieb.

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