Zum Dreifaltigkeitssonntag

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Dreifaltigkeitsfest

Liebe Brüder und Schwestern, die Hlgst. Dreifaltigkeit ist keine komplizierte, trockene Sonderlehre des Christentums, sondern sie ist das Geheimnis, aus dem wir alle kommen und zu dem wir unterwegs sind. In ihren gröbsten Umrissen …: 1) In der einen göttlichen Natur sind drei Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 2) Keine dieser Personen ist eine der anderen, jede ist ganz sie selbst. 3) Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott. 4) Sie sind nicht drei Götter, sondern ein Gott. Denken wir an Jesu Worte im heutigen Evangelium: „Alles, was der Vater hat, ist mein“. Das ist die Liebe: alles, was mein ist dein, was dein ist, ist mein. Um die vollkommene Liebe zwischen den göttlichen Personen Vater und Sohn zu verstehen, können wir uns hilfsweise zwei einander liebende Menschen vorstellen, wenn sie sagen: Alles, was mein ist, ist dein. Nicht nur Geld, sondern auch aller anderer Besitz, vor allem auch der geistige Besitz, die Fähigkeiten, die Erinnerung und auch die Freunde, alles. ALLES! Das wäre die vollkommene Liebe. In Gott ist sie Wirklichkeit. Und der Geist der Wahrheit, sagt Jesus, „nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden“. Zwischen dem Vater und dem Sohn ist nur Liebe. Diese Liebe ist nicht ETWAS, sondern JEMAND. Diese Liebe, die aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, ist PERSON, die dritte göttliche Person, der Heilige Geist. Und dieser Heilige Geist wird uns Menschen gesandt, lebt in unseren Herzen. Davon spricht Paulus heute in der zweiten Lesung, wo es auch darum geht, wie der Christ mit schwierigen Situationen, mit Leid und Ausweglosigkeit umgeht: „Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Zwischen Vater und Sohn ist nur Liebe, und diese Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen. Was für eine wunderbare und große Sicht auf unser Leben!

Im Buch Genesis, im ersten Schöpfungsbericht, sagt Gott: „Laßt UNS den Menschen machen“. Die Kirchenväter haben gesagt, dies sei schon ein erster Hinweis darauf, daß Gott Gemeinschaft ist. Es heißt nicht: „Ich will den Menschen machen“, sondern es heißt: „Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.“ Wie könnten wir den Menschen, wie könnten wir uns selbst verstehen ohne Kenntnis von Gott? Was ist der Mensch? Ein sprechendes Tier zu allerhand Grausamkeiten und Großtaten fähig, erfindungsreich, vergnügungssüchtig und doch am Ende dem Tod unterworfen? Was ist der Mensch? Der Psalm, den die Liturgie heute nach der Ersten Lesung singt, fragt es: „Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?“ Und der nächste Satz ist schon wie eine Antwort:  „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott [in anderer Übersetzung: als die Engel], hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“  Was für eine hohe Einschätzung des Menschen!

Brüder und Schwestern, die Dreifaltigkeit ist einerseits ein unergründliches Geheimnis. Wir kennen die Geschichte mit Augustinus, der am Strand einen Jungen sah, der mit einem Eimer das Meer in ein Sandloch schöpfen wollte. Als Augustinus ihn auf die Aussichtslosigkeit des Unternehmens aufmerksam machte, bekam er zur Antwort: „Und du willst mit deinem kleinen Kopf den dreifaltigen Gott verstehen?“ Einerseits also ist die Dreifaltigkeit unergründliches Geheimnis. Wir Menschen können verstehen, was uns gleich oder unter uns ist. Die Dreifaltigkeit aber ist unendlich über uns erhaben. Und doch gibt es auch eine Art Verstehen. Denn wir sind ja nach dem Bild dieses Gottes erschaffen. Ich meine eine Verstehen in dem Sinn, den die Dichterin Gertrud von le Fort einmal so beschrieben hat: „verstehen heißt: Aus einer ewgen Heimat kennen“ (in „Beim Lesen“). Verstehen, weil wir an der Liebe Anteil haben dürfen. Verstehen, weil hier der Ursprung ist, aus dem wir selbst kommen. Verstehen, weil der Schöpfer unsere letzte Heimat ist.

Brüder und Schwestern, die Kirche hat uns ein wunderbares Zeichen geschenkt, in dem das alles zusammengefaßt ist, der Vater, der uns erschaffen hat, der Sohn, der uns erlöst, und der Hl. Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Es ist das Kreuzzeichen, so einfach und doch so tief, so inhaltsvoll; so schlicht und doch so erhaben. In einem Buch habe ich gelesen: Der Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn wurde in seiner Moskauer Wohnung verhaftet. Zur Tür hinausgedrängt, nimmt er Abschied von seiner Frau, vielleicht für immer. „Langsam mache ich das Kreuz über meine Frau und sie über mich.“ (Glaubenszeichen, S. 10) Es ist gut, wenn wir ein solches Verhältnis zum Kreuzzeichen haben, daß es wirklich Zeichen unserer ganzen Liebe und unseres Glaubens ist, weil es Zeichen der Wahrheit und Liebe Gottes ist. Machen wir darum wenigstens am Morgen beim Aufstehen und am Abend beim Schlafengehen bewußt und gläubig das Kreuz, damit wir unsere Tage nicht wie die Heiden beginnen und beenden, sondern mit dem Segen des Kreuzes uns unter den Schutz Gottes stellen und dabei sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ich glaube, wenn jeder von uns das ab heute ganz bewußt tut, dann wird das unser Leben wirklich beeinflussen. Und wer das Glück hat, noch Kinder zu Hause zu haben, machen ihnen das Kreuz auf die Stirn mit den Worten: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und wenn unsere Lieben im Sterben liegen, dann wollen wir ihnen mit dem Gebet beistehen und sie auf die letzte Reise schicken im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und die auch die Eheleute, wenn sie ihre Eheringe betrachten, können sich ab und an in Erinnerung rufen, mit welchem Wort sie sich gegenseitig diesen Ring ansteckten: „Trage diesen Ring als Zeichen unsrer Liebe und Treue: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und wenn ich heute am Ende der Messe Ihnen wieder den Segen spenden darf, dann wollen wir – Sie und ich auch – es ganz bewußt vollziehen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen

Chr. Sperling

 

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