An einem Sommersonnentag fiel in meiner Nähe ein Haus in sich zusammen…

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Predigt zum Patronatsfest in unserer Herz-Jesu-Kirche in Eilsleben (12.06.2026)

An einem Sommersonnentag fiel in meiner Nähe ein Haus in sich zusammen. Just an dem Tag, so hieß es, als die Besitzerin im Altenheim verstarb. Heute ist dort eine Baulücke mit Unkraut.

Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Er gehörte einfach dazu. Plötzlich aber hat der beste Mitarbeiter gekündigt.

Von einem Tag auf den anderen packt die Mutter ihre Sachen und läßt den Mann mit den Kindern allein.

Eines Sonntags sagt ein Priester der Gemeinde aus heiterem Himmel, daß er jetzt „neue Wege gehe“. Das war seine letzte Messe.

Jeder von uns hat schon einmal von solchen Katastrophen gehört. Und vielleicht haben wir uns auch selbst schon einmal in einer schweren Stunde die Frage gestellt: Warum mache ich das hier alles überhaupt noch? Warum lasse ich mich ständig von anderen Menschen ausnutzen? Warum soll ich für andere dasein, ihnen den Dreck nachräumen, ihnen hinterherlaufen und dafür nur Undank ernten? Warum? Was soll mich da noch motivieren? Ja, und vielleicht können wir die Situation dessen irgendwie verstehen, der plötzlich alles hinwirft und flieht und sich sagt: Jetzt bin ich einmal für mich da und nicht mehr nur der Knecht der anderen. – Die anderen aber wundern sich und fragen: Was ist denn passiert? Was ist denn geschehen? Alles hat doch wunderbar funktioniert. Er hat sich doch nie beschwert? Sie hat doch immer alles mit einem Lächeln erledigt?

Anscheinend gab es aber eine an der Oberfläche kaum wahrnehmbare Entwicklung, die plötzlich zur Auswirkung kam.

So ist es auch beim plötzlichen Herztod. Die Kardiologen sagen:  Er „kommt überraschend und betrifft längst nicht nur ältere Menschen. […] Völlig unerwartet kann das Leben innerhalb von wenigen Minuten durch ein Herz-Kreislauf-Versagen beendet werden. Jährlich gibt es allein in Deutschland in etwa 65.000 Todesfälle, die an einer solchen Diagnose sterben – häufig als Folge einer Herzerkrankung.“[1] Ohne das verborgene, aber treu schlagende Herz können wir Menschen weder leben noch wirksam sein. Es ist das entscheidende Movens, also das, was alles in Bewegung hält.

Das heutige Fest, das Patronatsfest dieser Kirche, und vor allem das Festgeheimnis dieses Tages wird in seiner Bedeutung entscheidend unterschätzt und, so wie unser leibliches Herz, meist einfach vergessen. Nur, wenn das Herz nicht mehr mitmacht, denken wir daran. Wer von uns hat heute schon, vor dieser Messe, irgendwie persönlich das Herz Jesu verehrt, ihm gedankt, ihm irgendwie Liebe oder Genugtuung gezeigt? Und doch ist ja gerade dieses Herz der verborgene Mittelpunkt der Welt. Wenn Jesus einmal im Evangelium sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15, 5) so meint er mit „nichts“ genau das: Nichts. Aber, so sagen wir vielleicht, wir können doch herumlaufen und organisieren und machen und tun, auch ohne ihn. So wie die Atheisten. Die leisten doch auch so viel, bei der Feuerwehr, beim Hausbauen und sonst wo.

Ja, aber auch jeder Atheist kann nicht einmal sein Augenlid heben, ohne daß Gott ihm die Kraft dazu gibt. Und zweitens: „Nichts“ heißt das, was bei Maschinen „Leerlauf“ heißt. Wieviel holen Leerlauf, wieviel Oberflächlichkeit gibt nicht es in dieser Welt!

Ich möchte bekennen, daß auch ich dem Herzen Jesu zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Wir haben zwar seit 18 Jahren immer vor dem monatlichen Herz-Jesu-Freitag oder wie letzte Nacht vor dem Hochfest Nachtanbetung in der Anbetungskapelle, aber die Herz-Jesu-Messe am ersten Freitag haben wir zu wenig berücksichtigt. Und auch ich vergesse das Herz Jesu viel zu sehr. Das soll jetzt besser werden.

Von Balthasar, einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts, schrieb: „Am Herz Jesu-Fest feiern wir den letzten und entscheidenden Beweis dafür, daß der trinitarische Gott nichts anderes ist als Liebe – in einem uns weit übersteigenden absoluten und unbegreiflichen Sinn.“[2] Ja, einen größeren Beweis hat es nicht geben können als das gottmenschliche Herz, das unaufhörlich aus Liebe schlägt und in sühnender Liebe am Kreuz für uns zerstochen und damit ganz geöffnet ist. Jeder Christ muß sagen können, was der Zeuge Johannes uns in der Zweiten Lesung zuruft: „Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt“ (1 Joh 4, 16) – Und im Evangelium lädt Jesus voller Liebe ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Nicht der Undank der Menschen ist das Schlimmste in unserem Leben; nicht die Tatsache, daß wir ausgenutzt werden, ist die große Katastrophe. Die wahre Gefahr besteht darin, daß wir im spirituellen Leerlauf rotieren ohne die lebendige Beziehung zum Herzen Jesu. Darum ruft er auch uns zu: „Kommt alle zu mir!“

Dieses göttliche Herz schlägt immer. Und Gott hat uns, wie die Erste Lesung schon prophetisch den Hebräern sagt, in sein Herz geschlossen. Was für ein Wunder!

Heute hörte ich von einer sehr intelligenten Frau, die nach der Wahrheit sucht und der klar ist, daß der Atheismus nicht die Antwort sein kann. Sie sucht ehrlich, aber sie hat das noch nicht gefunden, was wir hier feiern dürfen. Ist uns bewußt, wie sehr wir im Glauben beschenkt sind? Das Herz Gottes ist das wahre Movens, das wahre bewegende Moment in allem, was sinnvoll und gut geschieht. Nur in Ihm finden wir inmitten von Enttäuschungen, Mißerfolgen und Undank die lebendige Motivation, treu und dankbar unseren Weg zu gehen. Gerade in diesen Erfahrungen ist uns die Möglichkeit geschenkt, dem, der uns umsonst liebt, unsere dankbare Liebe zu beweisen. Amen

[1] https://www.kardiologe-bayreuth.de/ploetzlicher-herztod/

[2] Licht des Wortes, 83.