DIE HEILIGE MESSE VIA BILDSCHIRM MITFEIERN?

Was sollen nun all jene tun, die nicht in die Kirche gehen können oder dürfen und so gern dabei wären?

Das dritte Gebot sagt uns, daß wir den Tag des Herrn heiligen sollen. Und das Kirchengebot sagt uns, daß wir an jedem Sonntag die hl. Messe mitfeiern sollen.

Und wer ein echter Christ ist, sieht dies sowieso nicht als äußeres Gebot an, sondern als ein inneres und brennendes Bedürfnis.

Die Bischöfe haben nun von der Sonntagspflicht vorübergehend dispensiert. Es ist ohnehin ganz klar, daß es keine Sünde ist, wenn ich nicht zur Messe gehe, weil ich nicht gehen kann.

Aber wie gehe ich mit dieser Situation um?

Ich versuche zunächst einmal, trotzdem den Tag des Herrn zu heiligen, d.h. daß ich mich ausruhe, daß ich Zeit habe für die Gemeinschaft, die Familie, den Ehepartner, die Kinder, die Eltern, den Freund; Zeit für das Schöne, Zeit vor allem für Gott, für das Gebet.

Was hingegen wäre ganz falsch? Ganz falsch wäre folgende Haltung: Ich kann nicht zur Messe gehen. Und darum mache ich aus dem Tag des Herrn einen stinknormalen Tag, hänge am Fernsehen oder Internet herum, habe für alles Zeit, nur nicht für Gott und meine Seele und meinen Nächsten.

Einige von Ihnen kennen Paulin, den Mann aus Albanien, der mal eine Zeit lang bei mir zu Gast war. In Albanien waren Gottesdienste unter den Kommunisten staatlich aufs strengste verboten, die meisten Priester erschossen oder eingesperrt und die Kirchen zerstört oder umfunktioniert. Die Großmutter von Paulin, von der ich eine handgearbeitete kleine Tischdecke habe, lief jeden Sonntag vier Stunden zu Fuß bis zur Kathedrale in der Stadt, die heute wieder Kathedrale ist, aber damals eine Sporthalle war. Sie lief dorthin, zu Fuß, vier Stunden hin und vier zurück. Und wenn sie jemand mit dem Auto mitnehmen wollte, lehnte sie ab. Wenn sie angekommen war, drückte sie von außen ihre Hand an das Kirchengebäude und betete inbrünstig. Dann ging sie zurück.

Die Sehnsucht nach Gott, auch die Sehnsucht nach der hl. Liturgie und dem Empfang der Sakramente war in ihr ganz wach und brennend. Deshalb war sie auch in dieser Notzeit fest mit ihrem Gott verbunden. Sie hatte eine Weise gefunden, ihren Kirchgang auch ohne hl. Messe zu leben. Sie hat sich nicht mit einem oberflächlichen Gebet zufriedengegeben. Deshalb hat der Glaube in ihr überlebt.

So wollen auch wir es halten, liebe Brüder und Schwestern: Nicht die Sehnsucht sterben lassen, sondern sie befeuern!

Nun sagen manche: Ich kann nicht gehen, aber ich gucke die Messe im Fernsehen oder im Internet. Ich will nicht in Abrede stellen, daß man fromm eine hl. Messe im Fernsehen anschauen und dabei auch mitbeten kann. Ich habe das früher vor allem bei Übertragungen aus Rom auch oft gemacht. Aber ich glaube, die Fernsehmesse ist nicht die Lösung.

Große katholische Denker haben davor gewarnt, z.B. der Philosoph Josef Pieper. Der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenspendung, Kardinal Sarah, schreibt zu diesem Thema in einem 2019 erschienen Buch:

„Ich weiß, daß Kranke und Alte auf diese Weise ihren Glauben stärken können. Aber man kann nicht Gott finden, indem man ein Fernsehprogramm anschaut. Gott ist eine reale Gegenwart, verborgen im Tabernakel. Ein Bild ersetzt niemals eine intime Begegnung. Der Vater akzeptiert keine fiktive Vermittlung, um eine Seele wachsen zu lassen. Machen wir uns nichts vor und sagen wir nicht, daß wir Gott begegnet seien und am eucharistischen Opfer teilgenommen hätten, indem wir eine Fernsehübertragung verfolgt haben. Niemand kann behaupten, an der Beisetzung seiner Mutter teilgenommen zu haben, dadurch daß er einen Film vom Requiem und von der Beerdigung gesehen hat. Das würde bedeuten, unsere Beziehungen zu Gott ihrer Natur zu entkleiden und sie der technischen Vermittlung zu unterwerfen. Keine wirklich intime menschliche Beziehung kann durch das Medium einer Maschine aufgebaut werden.“ (Le soir approche et déjà le jour baisse, S. 297, eigene Übersetzung)

Brüder und Schwestern, so wie man keinen über den Bildschirm umarmen oder küssen kann, so kann man auch nicht über den Bildschirm wirklich an einer hl. Messe teilnehmen.

Vielleicht sind Sie jetzt enttäuscht und sagen: Was bleibt mir den dann noch? Ich will auch nicht sagen, daß man nicht auch mit Gewinn eine Messe über den Bildschirm mitverfolgen kann; aber ich will davor warnen, daß wir uns einbilden, was nicht ist, daß wir einer Fiktion erliegen. Die Feier der Sakramente und die Mitfeier des eucharistischen Opfers kann niemals virtuell erfolgen, sondern nur leibhaftig und unmittelbar.

Was aber tun? Hat Gott uns ganz verlassen und aufgegeben? Was können wir nun tun?

Das Erste ist, daß ich mir mindestens soviel Zeit nehme, wie ich auch sonst brauche, um zur Kirche zu gehen und die Messe mitzufeiern. Diese ein bis zwei Stunden will ich jetzt an diesem Sonntag ganz für den Herrn reservieren, indem ich bete, indem ich sein Wort lese, vielleicht dasselbe Evangelium wie es heute in der Kirche gelesen wird. Besser noch ist es, wenn wir das gemeinschaftlich tun, uns als Familie vor dem Kreuz und dem Marienbild versammeln und zusammen hören, bitten, danken, loben und die Sehnsucht erwecken.

Es hat mich sehr gefreut, daß mehrere Familien genau das gestern getan haben. Die Kinder werden das nie vergessen. Wieviel besser ist das als das gemeinsame Anschauen einer Liturgie auf dem Bildschirm.

Und dann gibt es die sogenannte Geistliche Kommunion. Diese bedeutet aber nicht, daß ich mal so eben ein kleines Gebetchen spreche. Und schwuppdiwupp käme der Sohn Gottes in mein Herz, weil ich ja heute verhindert bin, Ihn im Allerheiligsten Sakrament zu empfangen.

Nein, Geistliche Kommunion heißt in großer und tiefer Ernsthaftigkeit, brennender Hoffnung und sehnsuchtsvoller Liebe den Herrn bitten, mich mit Ihm zu vereinigen und mein Herz mit Seiner Gegenwart zu erfüllen, da ich durch äußere Gründe daran gehindert bin, Ihn zu empfangen. Die Geistliche Kommunion ist keine Technik zum Ersatz des Sakramentes, sondern eine inständige Bitte an Gott im Vertrauen, daß Er uns erhört, wenn unser Herzen wirklich bereit ist.

Gebet zur Geistlichen Kommunion nach P. Pio:

Mein Jesus, ich glaube, daß Du im Allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles, und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir, und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, daß ich mich je von Dir trenne. Amen

Dazu noch eine Geschichte aus dem 11. Jahrundert:

In Ägypten ließ der muslimische Herrscher Kalif Al-Hakim für neun Jahre alle Kirchen schließen. Eines Tages ging er in den Straßen der Christen spazieren. Aus jedem Haus hörte er die Christen beten und Gott loben. Da sagte befahl er: „Öffnet die Kirchen wieder und laßt die Christen beten, wie sie wollen. Ich wollte in jeder Straße eine Kirche schließen, doch nun mußte ich feststellen, daß ich eine neue Kirche in jedem Haus eröffnet habe.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.